Schreiben

Seit meiner Kindheit faszinieren mich Buchstaben und Bücher. Ich mochte es, Bücher anzuschauen, lesen oder einfach spüren wie sie sich in meinen Händen anfühlen. Oder Geruch der neuen Bücher. Dieser Geruch ist die Konkurrenz zum Kaffeegeruch.

Relativ früh begann ich Texte zu schreiben, ungefähr im Alter von acht oder neun Jahren. Die ersten Geschichten die ich geschrieben habe, waren Horrorgeschichten, inspiriert von Horrorfilmen in unserem kleinen Kino in Kroatien wo ich aufgewachsen bin. Meine Mutter war schockiert als sie herausgefunden hat was ich schreibe und ich durfte nicht mehr ins Kino. Übrigens, damals gab es keine Altersgrenze für Horrorfilme, zumindest nicht bei uns oder niemand hat das beachtet.

In der 6. Klasse bekam ich in einem Wettbewerb den Preis für ein Gedicht. Das Gedicht war blumig und hippie, aber eigentlich kommunistisch. Obwohl bestimmte Individuen die Idee des Kommunismus mißbraucht haben, blieb die Idee in mir eingeimpft, als ein guter Vorsatz.

Mein Schreiben würde ich nicht als Ruf nennen, ich würde sagen es ging eher um eine Therapie, sogar Überlebenstechnik. Vier Jahre habe ich verbraucht, um kroatische Sprache und Literatur(en) zu studieren um festzustellen dass ich auch ohne Studium schreiben kann. Aber in unserer Stadt gab es nicht so viele Studienmöglichkeiten und Literatur war zumindest ein Bisschen mit Kunst verbunden.

Photo by Juliana Arceo on Pexels.com

Nicht desto trotz fing ich an, als Korrekturleserin und Lektorin zu arbeiten. Ich verlor mich in den Texten anderer und so vergaß ich irgendwann dass ich doch lieber eigene Bücher schreiben wollte. Aber der Funke selbst, der Funke in mir, oder in jedem von uns, vergisst sich selbst nicht und versucht immer „nach oben“ und „nach außen“ sich zu drängen. Es muss sich selbst irgendwie ausdrucken, beleben.

Ich fing an, mit der Sprache zu spielen und schrieb Gedichte am Arbeitsplatz die nur Wörter mit Anfangsbuchstabe A oder B hatten, das war fast wie eine mathematische Aufgabe. Oder ich griff in die Grammatik meiner Texte ein und ließ ein Verb aus den Sätzen einfach weg. Diese experimentelle Texte schickte ich an einige Literatur Zeitschriften, die meine Sätze ohne Verb unbedingt korrigieren wollten und meine sprachlichen Innovationen nicht verstanden haben.

Mir hat es nicht gleich gelungen, das zu machen, wofür ich brenne. Ich musste fast die halbe Erdkugel bereisen, ein Paar Ausbildungen machen und vieles auszuprobieren um festzustellen wofür ich eigentlich brenne. Und ganz so sicher bin ich mir noch immer nicht und ob man überhaupt brennen muss, eine schöne Wärme reicht vielleicht auch.

Es gibt so viele Dinge für welche ich „brennen“ könnte. In den letzten Jahren kristallisierte sich dieses Bedürfnis wieder zu schreiben. Es ist EIN der vielen Funken in mir, kam ich zum Beschluss. Und warum nicht mehrere Funken? Und witzig dass sich dieses Bedürfnis jetzt in einer anderen Sprache ausdrücken will. Ich fühle mich integriert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s