Die komische innere Stimme

An Träume erinnere ich mich durch Depression (dieses Senkungsgefühl im Blei-Kopf und Körper) nicht. Ich weiß nur dass ich vom Gefühl des Ichs oder des Selbsts geträumt habe. Oder vielleicht von dem Wunsch nach Selbst, Gespür des Selbsts, welches ich einmal kannte.
Nach dem Aufwachen ist dieses Gefühl nicht mehr da. Ein Selbst welches ich verloren habe, welches irgendwo geblieben ist oder besser gesagt, stecken geblieben ist und ich kann es nicht mehr finden.
Ich habe keine Kraft dieses Selbst wieder zu holen, zu suchen und zu finden. Irgendwann wird es egal. Und dann kommt die Diagnose, wenn man überhaupt die Kraft findet, zum Arzt zu gehen.

In meinen älteren Träumen gab es eine wunderschöne Stadt und wundertolle Gefühle sickerten aus ihrer blauen Ecken und Kreuzungen. Die Stadt aus meinen Träumen ist melancholisch, aber diese Melancholie tut irgendwie gut. In diesen Träumen spürte ich mein „ich“, ich wusste dass ich „das“ bin, die oder das was träumt, und ich wusste genau wer und was ich war. Eine glückselige Existenz, die auf eine andere glückselige Existenz eingetroffen ist. Auf ihn.

In diesen Träumen ging er oft in der Fußgängerzone, in einem lila Hemd. Alle Lieder und alle Wörter dieser Lieder begannen mit dem Buchstaben B. Sie sickerten lilablau in den Nächten, aus den windigen Kastanienblättern. Die geschwächte Morgensonne war zuerst lila, bis sie sich in eine nebelige Träne verwandelte. Erst dann stelle ich fest, dass der Herbst vorbei ist, dass es geschneit hat und dass der Sommer in meiner Seele nicht mehr Melodie heißt, sondern nur eine weitentfernte singende Stimme ist, dessen Lied ich nicht verstehe.
Wegen dieser Träume von der blauen Stadt und von ihm, im lila Hemd, nur wegen diesen Traums, zerstörte ich so viele andere Herzen die mich vielleicht wirklich liebten. Manchmal frage mich, wie sehe ich denn in seinen Träumen aus? Träumt er überhaupt von mir, wie ich von ihm?

– Ich träume überhaupt nichts mehr.
– Das ist deswegen so, weil du leer bist.
– Nein, das bin ich nicht.
– Doch. Das bist du.
– Na ja, ok, das wollte ich eigentlich, leer werden. Aber mich doch dabei nicht zu verlieren.
– Manchmal muss man sich selbst verlieren, den Halt unter Füßen nicht mehr zu spüren.
– Glaubst du dass das in Ordnung ist? Ich finde es überhaupt nicht toll.
– Ja, es ist nicht toll sich selbst zu verlieren, weil du Angst hast, dich selbst nicht wieder zu finden. Und plötzlich erkennst du sogar dass die Idee von dir selbst eigentlich nichts Beständiges ist, dass du dich jederzeit verändern und verwandeln kannst…Zum Guten genauso wie zum Schlechten.

Diese komische Stimme in meinem Kopf die immer alles besser weiß.

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s