Teepause

Aus der Reihe: Notizen über den Tod

Mein Zimmer befand sich in einem Haus, hoch über dem Ganges. Es war schön mit dem Geräusch des Flusses einzuschlafen. Manchmal kam es mir vor, im fließen Geschichten zu hören, zum Beispiel von Shesha, der tausendköpfigen Schlange.

Zwischen dem Lakshman Jhula Gebiet und Zentrum von Rishikesh war ein Weg durch den Wald. Es war Juli, eine noch recht regnerische Zeit im Nordindien. In der Nacht hat es viel geregnet, aber die Tagessonne trocknete alles wieder. Da war manchmal so viel Regen schon am frühen Abend, eine Flut, das Wasser buchstäblich bis zum Hals, aber keiner war zu viel besorgt. Es war eher lustig zu sehen und zu erleben, wie ernste indische Businessmänner, Bettler, Militärleute, Touristen und alle einfach zusammen schwimmen, im hohen Wasser auf diesem Weg durch den Wald.

Manche machten Scherze, wie z.B.: „If you want to reach Haridwar, jump into Ganges in Rishikesh and you´ll reach Haridwar faster then train.“ Damit meinten sie dass man Haridwar (ein Ort in der Nähe, was in Übersetzung der „Tor zum Gott“ bedeutet) als Toter gut und schnell erreichen kann und das passierte auch oft wenn man in den schnellen Fluss springt oder zufällig reinfällt.

Eines Tages trank ich Chai im Café über der Brücke von Lakshman Jhula. Zum Glück waren da keine andere Touristen die sich unterhalten wollten. Ich sah zwei Männer eine Leiche tragen. Sie war mit weissem Laken überdeckt. Nachdem sie die Brücke überquert haben, ließen sie die Leiche auf dem Weg um machten eine Teepause am Tee-Straßenstand. Der Straßenteeverkäufer machte „Teewasserfälle“, eine indische bekannte Technik, um den Tee schneller etwas abzukühlen, sodass man ihn trotz Hitze ohne Verbrennung trinken kann. Ich weiß aber nicht so genau ob diese Technik dafür gedacht ist. Vielleicht ist es auch meine Vermutung.

Aber eigentlich wollte ich etwas über die Leiche auf dem Weg schreiben. Als Vorbeigehende, vor einigem Touristen, feststellten, dass auf dem Boden, auf dem Laufweg eine Leiche liegt, öffneten sie ihre Münder, überrascht oder schockiert. Manche andere, schon erfahrenere Indientouris sagten:
– „In Indien kann man sich jederzeit eine Pause nehmen“, grinsten ein wenig und gingen weiter.

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