Die Krähe

Aus der Reihe: Notizen über den Tod

Vor ein Paar Monaten fand ich auf Straßen von Berlin das „Tibetische Buch über das Leben und Sterben“.
Kurz danach starb ein lieber Freund von mir und es eröffnete sich für mich ein neues Verständnis über das Leben und Tod.
Viele Jahre zuvor, eine selbsternannte Schamanin, erschrak mich zu Tode mit einem Satz:
– „Ich sehe viele Tote in deiner Aura!“

Damals dachte ich dass sie verrückt wäre, jetzt sehe ich das anders. Der Tod ist so wichtig! Sie dachte vielleicht dass ich etwas mit Sterbenden tun kann, dass es meine Berufung sein könnte. Es ist wichtig wie Menschen sterben, in welchem Geisteszustand. Es gibt so viele Geburtsvorbereitungskurse und so wenig oder gar keine Todsvorbereitungskurse.
Ich bin mir nicht sicher, aber ja, vielleicht könnte das etwas für mich sein. Mein Geburtstag hat auch mit den Toten etwas zu tun und es wird in Mexiko sogar gefeiert.

Eines Tages in Rishikesh, am Ganges, zog mich eine wunderschöne, man könnte sagen – paradiesische Musik an. Ich näherte mich der Musik immer mehr bis ich feststellte dass es um ein Todesritual geht. Auch bin ich mir nicht sicher ob ich so nah sein durfte. Jedenfalls, niemand schickte mich weg. Da lag eine Leiche, umgeben von Eisblöcken, Räucherstäbchen und Menschen und da war dieses wunderschöne Trommeln und Gesang. Es war irgendwie surreal, aber dann wiederrum so real, roh, ursprünglich.

In Trauer, aber friedvoll und dankbar. Dem Bewusstsein und der Seele (oder was auch immer es ist) zeitgebend, sich von dem Körper zu verabschieden, den Körper loszulassen, wie von lange getragenen Klamotten. Auch zeitgebend den anderen, die noch lebend bleiben, um sich würdevoll zu verabschieden. Sich mit der Form, in der sie die gestorbene Person kannten, zu verabschieden.

Ich weiß nicht was mit dem Bewusstsein, Seele oder Geist nach dem Tod passiert. Alle Erklärungsversuche sind nur Konzepte. Aber ich kann mir gut vorstellen dass es um die Energien geht, die etwas Zeit brauchen um sich von der körperlichen Form zu trennen und sich zu transformieren. Der Tod wird mit dem Sterben der vitalen Organe gleichgesetzt, aber wir sind sicherlich nicht nur unser Gehirn und andere Organe. Oder…wer weiß, niemand weiß nichts. Aber ich fühle, dass es nicht egal ist ob man friedvoll und in Ruhe stirbt oder plötzlich und unerwartet.

Eine Woche bevor mein alter Freund im Alter von 48 Jahren starb, kam eine Krähe regelmäßig jeden Morgen ans Fenster meines Schlafzimmers – das hat sie nach seinem Tod nicht mehr gemacht. Vielleicht war es auch ein Zufall. Aber alle die sich mit Schamanismus auskennen, wissen dass die Krähe ein Vogel ist was zwischen den Welten der Toten und Lebendigen reisen kann und wenn sie öfters kommt, kann es ein Zeichen sein, die Zeit den Themen über das Leben, Tod und Transformation zu widmen.

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